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Self Improvement Ban

Anfang der Woche las ich einen Post bei Puttylike über einen Self Improvement Ban also quasi ein Selbstverbesserungsverbot.

Ich habe dieses Jahr schon mehr als 100 Bücher gelesen, davon waren 47(!) Ratgeber. Von Ernährung und Fitness über Selbstliebe und Glück bis Aufbau eines Business war alles dabei.
Viele habe ich in ein Büchlein zusammengefasst, einiges habe ich aus ihnen mitgenommen. Ob der schieren Masse habe ich aber wenige durcharbeitet.

Den ich lese nicht nur Ratgeber, ich mache auch dauernd irgendeinen Onlinekurs. Minimalismus, Gewohnheiten, „find your true calling“, Marketing, Websitenerstellung, meine Interessen sind vielfältig (wer hätte das gedacht, ich Scanner…).
Seit 2013 mache ich durchgehend Weiterbildungen neben der Arbeit. Erst der Betriebswirt, dann eine Weile ein Psychologiestudium, dann den Ernährungsberater und aktuell den Fitnesstrainer. Geplant für nächstes Jahr waren Burnout-Coach und Sportmentaltrainer.

In letzter Zeit fühlte sich das immer weniger gut an.
Ich mag Ratgeber, sie geben mir oftmals gute Denkanstöße, ich verstehe Dinge besser oder ich kann Probleme damit lösen.
Aber irgendwie war ich so langsam gefangen in der Selbstoptimierungsschleife.
Entspannter abnehmen, besser trainieren, die perfekte Methode seinen Tag zu planen. Meditation, Morning Journal, Yoga, Sport, hier anders essen, da eine andere Schlafhygiene.

Sei anders, sei wie du bist, sei so wie ich es am Besten finde. Jedes Buch und jeder Kurs sagten etwas anders.
Und ich kenne mich, ich lasse mich gerne mal von so etwas beeinflussen, auch wenn manche Tipps einfach nicht zu mir passen, statt mir das für mich passende rauszusuchen und den Rest einfach liegen zu lassen.
Weil: Wenn ich es nicht genau so mache, wie soll es dann funktionieren?

Ich habe schon immer gerne geplant und ToDo-Listen geschrieben. Sie helfen mir, dass mein Kopf frei ist für andere Dinge.
In den letzten Wochen habe ich aber auch festgestellt, dass ich zum Beispiel viel besser schlafe. Warum? Weil ich den Konsum von Ratgebern und Kursen zurückgefahren habe und mein Kopf endlich auch mal wieder Zeit hatte, nachzudenken. Vorher habe ich ihn immer nur gefüttert, den ganzen Tag musste er neue Informationen aufnehmen, hatte aber nie wirklich Zeit sie zu verarbeiten.
Das kam dann abends beim Einschlafen oder nachts, wenn ich wach wurde.

Gewohnheiten sind eine gute Sache, ich weiß, dass sie bei mir recht schnell funktionieren. Aber: Nur wenn ich sie auch als sinnvoll empfinde. Alles andere ist sehr lange eine Qual, bis ich es einfach wieder aufgebe.
So auch beim Journaling. Ich war nie der Typ, der Tagebuch geschrieben hat, zumindest nicht in ein Buch. Ich habe immer schon viel in Foren und Blogs geschrieben, was ja irgendwie auch ein Tagebuch ist.
Aber dieses „Ich setze mich jeden Morgen/Abend hin und schreibe x Seiten Tagebuch über meinen Tag/meine Gefühle/you name it habe ich immer nach ein paar Tagen wieder aufgegeben.
Ich habe es auch vor einigen Wochen wieder versucht und es war eine Weile sehr einfach es durchzuziehen. Ich hatte keine gute Zeit und es hat mir geholfen, meine Gedanken zu sortieren, meine Ängste aus dem Kopf zu bekommen und mir über einige Dinge klar zu werden. Dann stoppte es auf einmal wieder, ich habe es gar nicht wirklich bemerkt.

Irgendwann dann natürlich schon und ich habe mich gefragt, warum ich nicht einfach mal etwas durchziehen kann. Alle erfolgreichen Menschen schreiben in ihr Journal, in jedem „How to plan your day“ ist es ein Teil der perfekten Routine.

Ich habe mich also (wie meist) selbst unter Druck gesetzt, Dinge zu tun, die gar nicht nötig sind oder mir (momentan) nicht wichtig genug.
Ich bin Verfechter von sinnvollen Routinen, wenn sie denn auch grade zu einem und der eigenen Lebenssituation passen.
Warum soll ich ins Journal schreiben, wenn ich es grade nicht brauche?
Nur weil jemand anders das macht und es super funktioniert?
So auch viele andere Gewohnheiten, ich setze immer eine sehr hohe Messlatte für mich selbst und alles muss ohne einen Fehler oder einen Ausfalltag durchgezogen werden, sonst ist es ein Fail.
Was natürlich Quatsch ist, rational weiß ich das auch.

Ich kann meist nur ganz oder gar nicht. Ein Self Improvement ban wäre trotzdem die falsche Idee, erstens weil ich auf Verbote oft nur mit Trotz reagiere, zweitens weil da strenggenommen sehr viel drunter fällt.

Trotzdem möchte ich das Thema nun anders angehen. Nicht mehr Bücher lesen, weil es jetzt sinnvoll wäre sie zu lesen, damit ich xy lerne.
Nicht mehr dauernd Weiterbildungen nebenbei machen. Auch wenn der Burnout-Coach und der Sportmentaltrainer sehr interessant für mich sind (immer noch), ich habe sie erstmal abgesagt. In 2 Wochen habe ich Teil 1 der Abschlussprüfung für den Fitnesstrainer, Mitte Dezember den zweiten und letzten Teil. Und dann mache ich erstmal ein paar Monate Pause. Zumindest was die geplanten, bezahlten Präsenskurse angeht.

Ich will mir nicht komplett verbieten, mich weiterzubilden. Ich möchte aber darauf achten, dass ich erstens Lust auf den Kurs/das Buch habe und es nicht nur durchziehe, weil „man das so macht“, ich es „unbedingt fürs Business brauche, weil ich sonst nie was werde“, obwohl ich mich überhaupt nicht für das Thema interessiere und somit auch direkt eine Abneigung dagegen entwickle und zweitens dass es nicht zuviel auf einmal wird.
Ja, ich habe viele verschiedene Interessen, wenn ich aber alles auf einmal mache, dann mache ich hinterher gar nichts und vor allem gar nichts richtig. (Zu dem Thema „information overload im digitalen Zeitalter“ komme ich demnächst mal)

Ich möchte wieder lernen, das zu machen was mir Spaß macht, ohne da einen „sinnvollen“ Hintergrund für zu brauchen.
Aktuell habe ich Lust, Romane zu lesen. Und Mal-/Zeichenkurse zu machen. Ohne Perfektionismus. Die Zeit wird kommen, in der ich wieder (mehr) Ratgeber lese. Und sie auch umsetzen will und werde.
Aber was hilft es, 50 Ratgeber zu lesen und nichts daraus mitzunehmen oder sie zu bearbeiten?

Ich möchte langsamer machen, weniger Input, vielleicht dafür mehr Output. Oder aber mehr „nichts“, damit mein Gehirn auch mal Zeit hat, alles zu verarbeiten.

Seid ihr auch Ratgeber-Fans und lest viele oder macht viele Onlinekurse? Wie geht ihr mit den vielen Informationen um? Was haltet ihr von dem Self Improvement Ban?

P.S. Übrigens habe ich den Reiter „Blog“ nun umbenannt in Mel Unfiltered.

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