Mein Deadline-Experiment – Day 1: Ich bin online.

Ich bin online.
Der erste Tag vom Rest meines Lebens. 6:07 Uhr. Und ich bin online.
So wie schon ungefähr die Hälfte meines Lebens.

Es gab relativ spät bei uns zuhause Internet, als es so langsam günstiger wurde und Flatrates im Kommen waren. Beim Handy sah es ähnlich aus, ich kann mich noch erinnern, dass mein zweites oder drittes Handy eine „WAP“-Taste hatte. Wehe dem, der diese versehentlich berührte, so schnell konnte man gar nicht auf den roten Hörer drücken, damit es nicht doch exorbitante Summen kostete.

Ich habe mich schon immer für Computer und Technik interessiert, mit 7 bekam ich meinen ersten PC auf dem ich spielen und rumfrickeln konnte. Danach dann immer wieder neue gebrauchte Einzelteile, um diese einzubauen und den PC besser zu machen.

Ich konnte stundenlang PC-Spiele spielen, alleine, aber auch per LAN-Netzwerk. Man schleppte seinen ganzen Kram (Röhrenmonitore!!!) zu einem Freund, versuchte stundenlang die Geräte miteinander zu verbinden und konnte dann nächtelang gegeneinander zocken.
Wie mit dem Multiplayerkabel beim Gameboy. Nur cooler.

Photo by Shagun Damadia on Unsplash

Irgendwann kam also das Internet und seitdem bin ich online. Sind wir alle irgendwie online. Ständig.

Eigentlich wollte ich nach der Schule „was mit Medien“ machen. Oder Kunst studieren. Ich landete aber in einer Büroausbildung und irgendwann (bis heute) in der IT. Erst VMs, irgendwann Mobilfunk/Smartphones/Apps.

Ich war also nicht nur privat daueronline (Chats sind die beste Erfindung seit es Menschen gibt!), sondern auch beruflich.
Aufwachen, aufs Smartphone schauen, Mails lesen, an den PC, arbeiten, nach Hause fahren, an den PC, zocken.

Grundsätzlich finde ich das nicht schlimm. Und zocken war ja wenigstens noch etwas, in dem ich aufgehen konnte, was mir Spaß machte.
Aber irgendwann änderte sich das.

Es wurde…. sinnloser. Es machte keinen Spaß mehr. Das Zocken nicht (ich konnte mich nicht mehr als ein paar Minuten darauf konzentrieren, am liebsten habe ich gleichzeitig noch ein Video geguckt), das Surfen schon lange nicht mehr. Es war irgendwann nur noch Zeitvertreib bzw. -verschwendung.

Von einem Youtubevideo zum nächsten, Netflix noch und nöcher bingen, Artikel verschlingen als würde man noch etwas Neues daraus ziehen können. Immer nur Konsum, immer nur Input. Gedanken übertönen, Kreativität wegsperren. Nichts mehr tun, nur noch berieseln lassen. Eine Sucht.

In letzter Zeit stelle ich das sehr in Frage. Nicht das Zocken oder das Artikel lesen grundsätzlich. Aber meine Zeit online. Und wie ich sie verbringe. Und was ich dadurch an mich (und teilweise andere) an Erwartungen habe.
Immer online sein. Sofort auf alles antworten. Ständige Vergleiche. Höher, schneller, weiter. Hier noch schnell ein Foto vom Essen, noch schnell eine Story hochladen die schon fast schreit „SCHENKT MIR ANERKENNUNG!“.
Aber die ist nie (gut) genug. Natürlich nicht, wenn das Gefäß „Selbstwert“ ein Loch hat, dann hilft noch so viel Anerkennungs-Wasser nicht, es wird nicht voller.

Womit ich eigentlich dann schon fast beim nächsten Thema bin: Warum machen wir uns so von der Meinung anderer abhängig? Dazu aber später mehr.

Ich habe „Digital Detox“ versucht, ich habe feste Zeiten ausprobiert, alles war anstrengend und hat nichts verbessert.
Was mir geholfen hat? Die Zeit mit etwas anderem füllen. Und dazu Zeitblöcke.
Wie soll ich von etwas loskommen, wenn ich es nicht durch etwas anderes ersetze? Wenn die Alternative zum Surfen „keine Ahnung was ich machen soll“ heißt, dann ist es kein Wunder, dass es mir so schwer fällt.

Ich habe mich dann mal zurück in die Zeit ohne Internet versetzt. Was habe ich da gemacht? Was fand ich gut, was machte mir Spaß? Malen und Zeichnen. Lesen. Sport. Soziale Kontakte pflegen. Auch mal (offline) zocken. Und darauf werde ich mich jetzt wieder konzentrieren.
Ich will das Internet nicht missen und auch die sozialen Netzwerke sind nicht per se schlecht. Aber ich werde mal meine Ansichten auf die Dinge überarbeiten.

Ich habe seit Wochen mein Essen nicht mehr fotografiert.
Wen interessiert das schon?

Photo by Michał Kubalczyk on Unsplash

Beitragsbild: Photo by Domenico Loia on Unsplash

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2 Gedanken zu „Mein Deadline-Experiment – Day 1: Ich bin online.

  1. „Ich habe seit Wochen mein Essen nicht mehr fotografiert.
    Wen interessiert das schon?“

    Stimmt. Hab gestern mal wieder mein Gemüse abgelichtet, einfach weil ich‘s so bezaubernd bunt fand, es ist mir aber auch völlig egal, ob das wer liked.
    Poste doch mal deine Zeichnungen, würde mich interessieren 🙂
    Und dein Experiment finde ich wirklich spannend. Ich hoffe du führst es fort (weil scanner und so 😉 )

    1. Ich habe mir mit dem Posten der Essensbilder (bzw. dem Posten auf Instagram allgemein) viel, viel Stress gemacht, deswegen habe ich es erstmal komplett gestrichen. Besonders gute fotografiere ich noch, aber eher für mich 😀
      Ich möchte gerne von der hm…. Anerkennungssucht wegkommen.
      Meine Bilder kannst du hier finden: https://www.instagram.com/kak.tusse/
      Ich denke schon, dass ich dieses Experiment durchziehen kann, es ist ja ziemlich breitgefächert 😀

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