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Es wird alles besser, wenn….

…ich endlich in Rente gehe.
…die Kinder endlich aus dem Haus sind/ich endlich Kinder habe.
…die Schulden endlich weg sind/ich eine Gehaltserhöhung bekomme.
…ich endlich den richtigen Partner gefunden habe.
Es wird alles besser wenn es endlich wieder warm/kalt ist, die Sonne wieder/nicht mehr scheint, es Frühling/Sommer/Herbst/Winter ist.

Statt „Es wird alles besser“ kann man auch „Es wird/ist alles gut“ oder „Es ist alles einfacher“ einsetzen. Es geht dabei um das Gleiche.
Das endlich! alles anders wird, wenn nur xy passiert. Dass man dann endlich! loslegen kann, das Leben genießen, etwas beginnen, was vorher (scheinbar, oder anscheinend? Ich lerne den Unterschied wohl nie mehr) nicht geht.
Wenn nur endlich xy (weg) ist, dann hat man die Kraft/den Mut/das Geld/die Zeit um etwas zu tun. Vorher geht das nicht, sorry.

Aber ist das wirklich so? Macht man sich da nicht selbst etwas vor? Ist es dann nicht mit viel Pech sogar schon zu spät?


Ich hatte letzte Woche Mittwoch ein MRT des Kopfes. Weil ich vor einer Weile meinen zweiten Hörsturz auf dem linken Ohr hatte. Da dachte sich der HNO „Schließen wir mal lieber einen Tumor aus!“.
4 Wochen Wartezeit bis zum Termin, gar nicht mal so lange für ein MRT. In der anderen Klinik redeten sie von „Mitte Februar“.
Ich war mir relativ sicher, dass es kein Tumor ist, ich hatte keine weiteren Symptome. Das heißt zwar nichts, machte mich aber etwas entspannter.

Je näher der Tag rückte, desto angespannter und unruhiger wurde ich, den Höhepunkt erreichte es dann am Tag des MRT, ich saß zitternd und still zuhause und wartete darauf, endlich losfahren zu können. Das Ganze nahm mich dann doch mehr mit als ich dachte.
Rational weiß ich natürlich, dass die Wahrscheinlichkeit gering ist, aber mein Gehirn plus leichtes Hypochondertum machen dann gerne mal einen Elefanten aus der Mücke. Auch durch den Tod einer sehr nahen Verwandten an Krebs und einer Familie, wo Tumore häufig vorkommen, war ich etwas vorbelastet. Weniger dachte ich, es würde ein Akustikusneurinom sein, wie vom HNO vermutet. Eher „wer weiß, was sie sonst noch finden“.

Dank pflanzlicher Beruhigungstropfen war ich aber dann ab der Anmeldung in der Praxis sehr ruhig.
Das MRT an sich war nicht schlimm, ich lag recht bequem, das Kontrastmittel war kein Problem und die 20 Minuten mit Ohropax und Kopfhörern gut auszuhalten.
Ich hatte vorher mit der Ärztin gesprochen („Wenn Sie etwas finden, sagen Sie aber direkt Bescheid oder…?“), aber da ich danach keine Ärztin sah und die Assistentin mir nur sagte, ich solle die CD abholen, fiel mir erstmal ein kleiner Stein vom Herzen.
Der große Brocken folgte, als ich vorgestern den Brief mit dem Befund erhielt. Nichts gefunden. Alles gut. Nur eine ziemlich schiefe Nasenscheidewand, wie ich den Bildern auf der CD entnehmen konnte, aber was ist das schon gegen einen Tumor. Erleichterung hoch 10!


Und um nun wieder zum Thema zu kommen: Ich habe mir auch immer gesagt „wenn xy, dann….“. Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, ich hätte die meiste Zeit nicht warten müssen. Weil es entweder nur eine Ausrede war, zu prokrastinieren bzw. mich meinen Ängsten nicht zu stellen oder aber nachdem xy eintrat nichts besser/einfacher/… war. Sondern genau gleich. Oder aber es kam etwas anderes auf, weswegen ich dann doch nicht mehr konnte, sondern erst „wenn yz…..“.

Ich will nicht mehr warten. Ich habe nur dieses eine Leben, das kann ganz schnell vorbei sein. Was, wenn sie etwas gefunden hätten? Hätte ich dann noch eben schnell alles versucht zu schaffen, was ich gerne tun würde? Hätte ich das dann überhaupt noch machen können? Und wie wir alle wissen, bereut man am Ende eher etwas nicht getan zu haben denn etwas getan zu haben.
Natürlich, die Chance besteht, dass „wenn xy, dann“ es einfacher wird. Muss aber nicht. Ja, vielleicht wird es schwieriger/härter/anstrengender wenn ich jetzt schon anfange. Aber wenn ich etwas wirklich will, dann ist es mir das doch wert oder?
Ja, wahrscheinlich gibt es (erstmal) Einbußen, vielleicht fahre ich das Ding auch komplett vor die Wand. Aber dann habe ich es versucht. Der Weg ist das Ziel, wer nicht wagt der nicht gewinnt, etc. Ich könnte noch dreißig andere schlaue Sprüche aufschreiben.

Die beste Zeit ist jetzt. Das sagt auch das Deadline-Experiment.
Also, worauf warten wir noch?
Stop wishing – start doing!

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