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„Du bist immer so anti!“ – Und nun?

Plöpp, das hat gesessen. „Du bist immer so anti!“ hatte ich nicht erwartet. Ich bin beleidigt. Und beleidigt bin ich eigentlich immer nur, wenn was Wahres an der Aussage dran ist. Dann falle ich auch automatisch in ein „Nein, gar nicht, weil…..“.
Und ich bin doch auch gar nicht anti! Oder…?

Doch, irgendwie schon. Ich war anti. Oft. Zeitweise ging ich mir damit schon selber auf den Keks.
Entweder am meckern/lästern oder aber zumindest die passende Tonlage, obwohl ich eigentlich was ganz Neutrales sagen wollte.
Am Anfang meinte ich das auch wahrscheinlich immer noch so. Und irgendwann wurde es (zumindest der Tonfall) dann Gewohnheit.
Dieses Abfällige in der Stimme, was irgendwie immer mitschwang.

Aber wenn dir dein Partner schon sagt „Du bist immer so anti!“, obwohl er sonst selten deine Stimmung kommentiert, dann solltest du auf jeden Fall zumindest mal drüber nachdenken, ob da nicht was dran ist! Und nicht direkt in Abwehrhaltung gehen und alles runterspielen.

Ich wollte so nicht mehr sein. Wenn ich ehrlich bin, wollte ich noch nie so sein. Aber ich hatte sehr viel Unzufriedenheit in mir. Und die Welt ist nun mal schlecht und Menschen scheiße! Alle!

Und nun? Was macht man, wenn man nicht mehr anti sein will?

Ich war noch nie so ein richtiger Optimist. Aber auch nie wirklich Pessimist.
Irgendein Mittelding, Realist mit Schwankungen nach oben und unten, je nachdem um welches Thema es ging.
Dann wurde ich immer unzufriedener und verbitterter (dazu irgendwann mal mehr) und das spiegelte sich auch in meiner Sprache und meinem Verhalten wieder.

Also ging ich auf Problemsuche. Und änderte etwas. Und es wurde besser. Langsam aber sicher.
Und es gab Erkenntnisse:
– Ich muss nicht an Meinungen festhalten, ich kann meine Meinung auch mal ändern. Ich ändere mich ständig, also kann sich auch meine Meinung ändern. Wichtig ist, dass alles noch mit meinen Werten übereinstimmt. Nicht festgefahren sein.
– Hinterfragen. Nicht unbedingt alles, aber auf jeden Fall vieles. Vor allem Gewohnheiten.
– Mal meine Nippel chillen aka den Elefanten im Dorf lassen. Es muss nicht alles kommentiert werden. Schon gar nicht negativ. Und vor allem nicht irgendwelche unwichtigen Kleinigkeiten. Ich predige anderen oft „sieh das Positive!“ aber mache ich es selbst? Nicht oft genug.

Es ist ein Weg. Ein langer, alte Gewohnheiten zu ändern. Aber es wird.

Es ist niemals alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber ich muss mir und anderen auch nicht ständig die Stimmung versauen.

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Ein Gedanke zu „„Du bist immer so anti!“ – Und nun?

  1. Wenn ich das so lese, was Du schreibst, klingt es in mir an und ich überlege, auch meine eigene Haltung zu überdenken. Dieses „anti“, dieses Nörgelige bekomme ich auch manchmal zu hören. Tatsächlich übe ich mich seit einiger Zeit darin, zu trainieren, dass ich nicht zu allem etwas sagen muss, dass ich nicht immer meine Meinung mit dazu kund tun muss, dass mein Zuhören nicht heisst, dass ich einverstanden mit dem bin, was da vor sich geht. Die stille Beobachterposition einnehmen und nichts mit den Dingen tun zu müssen – das ist mein Trainingsziel 😉

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